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Mit Rindern an die Macht

In der Tagesspiegel Ausgabe vom 14. Oktober erschien ein Bericht über Bernhard Delle, der Minister Dirk Niebel nach Montenegro begleiten durfte.

Gut fürs Geschäft
Politiker ins Ausland zu begleiten, kann sich auszahlen. Doch wie schafft man es überhaupt ins Flugzeug der Kanzlerin?

Bernhard Delle brachten Rinder nah an die Macht. Der Metzgermeister aus Gundelfingen flog im August 2013 mit dem damaligen Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und einer großen Wirtschaftsdelegation nach Montenegro. Ein schönes Land, findet Delle. Die Adria, fantastische Berge, viel saftiges Grün. Nur die Tiere fehlen. Früher gehörte die Region einmal zur Weltspitze in der Rinderproduktion. Doch Kriege, Sanktionen und Wirtschaftskrisen haben der Branche einen Schlag verpasst. Nun ist Delle als Geschäftsführer der Angus-Group ein europaweit gefragter Geschäftsmann in Sachen Angusrinderzucht. So einer könnte da helfen, dachte man sich in der deutschen Botschaft in Podgorica – und schlug dem Minister vor, den Metzger nach Montenegro mitzunehmen. So wie Delle ergeht es vielen Wirtschaftsvertretern, wenn sie mit Kanzlerin und Ministern um die Welt fliegen. In eine Wirtschaftsdelegation wird man für gewöhnlich eingeladen. „Wenn die Kanzlerin unseren Chef einlädt, kann der schwer Nein sagen“, scherzt ein Wirtschaftslobbyist. Das kann dann durchaus ein teurer Trip werden. Die Flug- und Hotelkosten, teilweise auch Verpflegung, zahlen die Teilnehmer selbst. Zwar können sie ihre Unterkunft frei wählen. Meist nächtigen die Wirtschaftsvertreter aber in denselben Hotels wie die Politiker – und die sind nicht eben billig. Bei längeren Reisen kommt da schnell eine stattliche Summe zusammen. „Dafür sind die Wege schnell und die Straßen immer abgesperrt“, sagt Joachim H. Faust. Der Geschäftsführer von HPP Architekten aus Düsseldorf war bei Merkels jüngster China-Reise dabei. Für ihn hat sich die Investition gelohnt, glaubt Faust. Der Architekt hat ohnehin gute Erfahrungen mit Delegationsreisen gemacht. 2006 war er mit Merkel im Reich der Mitte. Ein SPD-Abgeordneter hatte sich damals bei den Chinesen für mehr Transparenz bei Architekturwettbewerben eingesetzt. Faust glaubt, dass dies auch ein Grund dafür war, dass sein Büro den Zuschlag für die Planung der Expo- Village der Weltausstellung in Schanghai 2010 bekam. Prinzipiell kann jeder Unternehmer an einer Delegationsreise teilnehmen. Die Auswahl erfolgt nach einem offenen Verfahren. Tatsächlich schreiben Kanzleramt und die Bundesministerien bei anstehenden Auslandsreisen zunächst die Wirtschaftsverbände an. Diese fordern dann ihre Mitglieder auf, offiziell ihr Interesse zu bekunden. Die Auswahl trifft man im BMWi „unter Berücksichtigung der Vorschläge der Verbände“. Im Auswärtigen Amt zieht man zudem noch die Ländervereine und Wirtschaftsausschüsse hinzu.Obdabei auch wirklich immer eine „möglichst repräsentative Auswahl“ erreicht wird, in der auch kleinere und mittlere Unternehmen vertreten sind, bezweifelt mancher. „Wir fühlen uns da außen vor“, klagt etwa Marc S. Tenbieg, Geschäftsführer des Deutschen Mittelstands-Bundes (DMB). „Da fahren doch eigentlich immer die gleichen Leute mit.“ Für seine Klientel würden sich eher Reisen, die IHKs oder Wirtschaftsfördergesellschaften organisieren, lohnen.
Mittelständler Bernhard Delle sieht das anders. Seine Montenegro-Reise hatte ihn weniger als 500 Euro gekostet, war aber „ein echtes Erlebnis“ und „ein voller Erfolg“. Demnächst baut Delle seine Rinderzucht in Montenegro auf, auch in Serbien hat er schon etwas geplant. Und vielleicht trifft er dann ja auch Dirk Niebel wieder. „Wenn ihr Projekt klappt“, hatte der ihm gesagt, „grillen wir mal ein Angussteak zusammen.“
 
Eintrag vom 21. Oktober 2014
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